Licht und Schatten

ich hatte auch dieses Jahr wieder die Gelegenheit auf der Jax 2012 neue Ideen und Ansätze kennen zu lernen – vielen Dank an meine Chefs für die Genehmigung ;.).
Die meisten Key Notes waren leider eher wieder Bla Bla Bla, aber generell gab es viele sehr gute Vorträge, aber auch einige langweilige Sessions. Man hat halt die Qual der Wahl – bei 12 Tracks parallel, aber auch wenn man sich mal für eine Session entschliesst, die dann nicht so der Renner ist, kommt man doch in Summe an den aktuellen Trends gar nicht vorbei.

Was jedoch verwundert ist, dass nach wie vor „bullet point powerpoint“ dominiert. Ich dachte eigentlich, dass mittlerweile SlideOlogy einfach common sense ist…

Big Data – der neue Hype

Einige Informationen waren sehr beeindruckend, z.B. das bis 2003 insgesamt 5 Extra Bytes an Daten gesammelt wurden, wohingehend heute alle 2 Tage soviel „Neues“ anfällt. Die George Orwell Vision des gläsernen Menschen, dessen Interesse man leicht mittels Map Reduce und ähnlichem ermitteln kann rückt näher, allerdings kann man ja das Internet auch für die eigene Vermarktung einsetzen, ohne allzu viel von sich Preis zu geben :-).

Auf der anderen Seite kann aber der weltweite Zugriff auf Daten Analysten dabei helfen, schnell fundierte Analysen zu „verteilen“, so dass alle davon profitieren. So soll z.B. mittels Twitter, die Vorhersage einer Colera Epedemie 2 Wochen schneller als über den offiziellen Weg verbreitet haben, so dass viele Menschen gerettet werden konnten.

Interessant war ein Vortrag über die Nutzung von der NoSQL Dokumentendatenbank MongoDB für GIS Daten im Vergleich zu MySQL und Oracle. Erstaunlich war dabei vorerst, dass MySQL 3mal so schnell wie Oracle sein soll, während MongoDB für den Anwendungsfall nochmals 4mal so schnell wie MySQL war – allerdings mit der Einschränkung, einer nicht zugesicherten transaktikonalen Konsistenz (ACID).

Keine Details in einer Stunde

wenn ich Summa Summarum die Sessions beurteile,so fällt schon auf, dass eine Stunde kaum reicht um ein Thema bis in die Tiefe zu vermitteln. Die Vorträge auf der Java Usergroup Karlsruhe gehen da sehr viel weiter, da dafür meist 2 Stunden plus Diskussion zur Verfügung stehen, dabei sind dann auch alle ausgeruht und Aufnahme fähig. So bleibt bei 8 Sessions am Tag doch neben ein paar interessanten Links wohl eher die persönliche Erfahrung des Speaker hängen. So ist auch kein Wunder, dass Adam Bein mit seiner hinreissenden Ironie der absolute Renner war. Er hat mir in seiner Session: Wie Java EE Entwicklung sein sollte wieder mal aus dem Herzen gesprochen:

„Was sollen Interfaces, wenn es nur eine Implementierung gibt?“
„Was sollen unit tests für solche Dinge wie Getter und Setter?“
„Wozu noch komplizierte J2EE Patterns, wenn dies in Java EE 6 gar nicht mehr nötig ist?“

Rich Client mittels Java Script oder Java FX

Insgesamt muss ich sagen habe ich doch einen guten Mix zwischen Technik und Softskills erwischt. Bei mir bleibt hängen, dass Java Script sich inzwischen zu einer auch sehr gut Tool unterstützen Technologie entwickelt hat und nicht mehr belächelt werden sollte, zumal die Zukunft eindeutig wieder für einen Rich Client spricht, ohne die Notwendigkeit den Status auf dem Server zu halten.

Mit dem Siegeszug der Mobile Devices muss dieses natürlich mittels Local Storage auch klar kommen, wenn mal kein Netzt zur Verfügung steht. Websockets, Webworkers und Canvas bieten hier die nötige Grundlage. Klar wurde auch das Oracle eindeutig Java FX als die GUI Technologie durchsetzen möchte.

Softskill Erfahrungen

Einige Vorträge zu Teambildung und Agilen Praktiken hatte ich auch besucht. Vieles erscheint mir dabei mittlerweile einfach „common sense“ zu sein, wobei ich doch auch einige Software Mythen und Legenden sehe. Dennoch sind solche Erfahrungen meist viel spannender als irgendwelche Technologie Hypes – eine tolle Ausnahme waren die Groovy Gems von Dierk König und anderen Canoo Mitarbeiter am Dienstag Abend vorgetragen.

Interessant waren insbesondere die Erfahrungen von Atlassen und SAP, dass in einem durchgetakteten Scrum Prozess eigentlich kein Freiraum für Innovationen mehr bleibt. Atlassen hat deshalb – so wie Google – 20 % Freiraum eingeplant – SAP dagegen 10 %. Allerdings wird diese Zeit meist gar nicht ausgenutzt. Wir haben im Team darüber diskutiert und sind überein gekommen, dass man bei einer angefüllten Taskliste einfach keine „Muße“ für Spielereien hat. Agile PM Praktiken führen deshalb explizit geplante „Spikes“ ein, um zu forschen – heute aktuell auf Twitter:
http://agile101.net/2009/09/29/using-‘spikes’-in-agile-software-development/

Eclipse 4

Lars Vogel hat einen guten Überblick über die Vorzüge von Eclipse 4 gegeben. Allerdings auch offen von den derzeitigen Bugs gesprochen. Hoffentlich stabilisiert sich Juno noch bis Juni …

Klaus Töter hat aufgezeigt, wie einfach sich Vaadin in einem OSGI Container benutzen lässt. Mir erscheint diese Lösung vielversprechender, als ein RAP Ansatz, wobei die RAP Mobile Lösung – derzeit beta – auch einen Interessanten Ansatz mit nativen Client für iOS und Androide verspricht.

An Apache Karat zum Administrieren für einen OSGI Container (Apache Felix oder Equinox) kommt man mittlerweile wohl auch nicht mehr vorbei. So hat man auch die Wahl, welchen Service Ansatz man nun wählt (Blueprint, OSGI Declarative Services oder doch Equinox Extension Points?)

Der Vortrag zu BIRT (Business Intelligence and Reporting Tools) was eher enttäuschend (ich wollte mich zu diesem Eclipse Oldie endlich mal aufschlauen), hier wurden nur nahe liegende Tuning Tips vermittelt. Interessant jedoch war die Aussage, das ein „Online Reporting“ – nicht im batch über Nacht – das gesamte System in die Knie ziehen kann …

Ein Buch zu Eclipse 4:
http://www.amazon.de/Eclipse-4-Marc-Teufel/dp/3868020632/