Flow und Tunnel ohne Störung

Die Behauptung, dass man 10 min braucht, um sich nach einer Störung wieder „warm zu denken“, erscheint mir im Zeitalter von email, Google, News Seiten und Social Networks doch eher irreführend, da sich heute ja eh niemand mehr als 5 Minuten konzentrieren kann. Ich sehe im Gegenteil eine angenehme Unterhaltung eher als motivierend und kann dann doch gleich wieder weiterarbeiten, ohne den Faden zu verlieren. Mir erscheint nur als unangenehm, wenn sich Leute stets „supporten“ lassen, ohne sich selber mal durchgebissen zu haben, denn diese Hartnäckigkeit ist meines Erachtens eine wichtige Eigenschaft von jedem Software Entwickler. Wenn jemand so bequem daherkommt, fühle ich mich dann eher ausgenutzt, wenn jedoch von der anderen Seite auch neue Ideen kommen sehe ich ein Gespräch eher als anregend. Deshalb kommuniziere ich gerne ohne mir einen „Tunnelblick“ zu wünschen.

Wie sollte sonst auch Pairprogramming funktionieren? Gerade der Gedankenaustausch dabei erhöht die Qualität und macht einfach Spass. Wozu ist denn da noch einen „Flow Zustand“ nötig, der als Rausch wohl eher der Selbstüberschätzung dient – es gibt auch Studien wonach Depressive sich realistischer einschätzen ;-).

Face to Face

Genauso unnötig ist es meines Erachtens, dass sich alle Mitglieder in einem über die Welt verstreuten Team regelmäßig treffen. Ich möchte doch nicht mt den anderen „kuscheln“. Nur bei meinem ersten Job habe ich mich regelmäßig mit den anderen Entwicklern auch noch privat getroffen und das hält noch bis heute an. Ansonsten kann ich super mit den Kollegen zusammenarbeiten ohne allzu „persönlich“ zu werden. Ich denke es ist professioneller Arbeit und Privates zu trennen. Dabei ist es eher wichtig, die regelmäßigen Meetings nicht in Bla Bla Bla ausufern zu lassen, sondern der Gegenseite zu zeigen, dass sie geschätzt, respektiert und beachtet wird. David Sibbet hat das in seinen Bücher „Visual Meetings“ und „Visual Teams“ gut dargelegt.

Das Management will es so …

Sicher, ich hatte das Glück im ersten Job die Software Story schlechthin zu erleben: von der „Garagenfirma“ bis zur Aktiengesellschaft. So hatte ich stets Kontakt zur Geschäftsleitung und auch den Kunden. Ausserdem hat mir meine Schwester recht früh ein Buch in die Hand gedrückt, das mich vollauf überzeugt hatte: Das Prinzip Selbstverantwortung …

Heute erlebe ich in einer grossen Firma, dass die Leute als „Rädchen im Getriebe“ nur auf „Befehl und Gehorsam“ reagieren und sich hinter ihren Chefs verstecken.

Da hört man doch allen Ernstes, die Chefs wollen nur die Features und deshalb hätte man keine Zeit zum Testen. So eine Schutzbehauptung ist doch wohl in der heutigen Zeit einfach unprofessionell. Andere sagen dann z.B. sie können ihre Software nicht dokumentieren, da es ja für die Benutzung eines Wikis eine Konzernrichtlinie geben müsse …

Und der Gipfel ist dann noch, dass „U-Boot Projekte“ gestartet werden, bloss weil man sich nicht traut für seine eigenen Ideen und Überzeugungen einzutreten …

Druck ablassen

Manche Leute glauben, dass jemand mehr leißtet,  wenn man den den Druck erhöht. Hat nicht jeder schon eine Taskforce mit gemacht, oder kennt nicht jeder den freundlichen Manager, der jede halbe Stunde nach fragt, wie es denn so läuft? Dieser Dämmer ist man zu nix gut. Ein Entwickler, der sich wohl fühlt und Spass an der Arbeit hat, kann hingegen Dinge in ein paar Tagen erledigen wozu andere Wochen brauchen